Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat.
(2. Korintherbrief 5,10)
Was wurde und wird den Menschen Angst gemacht mit diesem oder ähnlichen Versen. Pass auf, dass du nicht in die Hölle kommst! Sei brav, sonst bestraft dich Gott! Kein Wunder, wollen Menschen mit diesem Gott(esbild) nichts mehr zu tun haben.
Wer möchte schon vor dem Richter landen? Das heisst ja, dass man etwas ausgefressen hat. (Dass man da auch freigesprochen werden kann, blendet man in der Vorstellung meist aus.) Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen den irischen Richtern und dem himmlischen Richter aus dem Vers. Vor diesem stehen alle irgendwann, nicht nur die Halunken. Und wer den ganzen Abschnitt mit offenen Augen liest, merkt: Der Apostel Paulus hat keine Angst vor diesem Richter und er ist überzeugt, dass auch die Leserinnen und Leser seines Briefes keine Angst vor ihm haben müssen. Respekt schon, aber das ist etwas ganz anderes als Angst. Vielleicht würde es auch nicht schaden, wenn manche Menschen Gott etwas weniger als lieben Opa und etwas mehr als wohlwollenden Richter sehen würden.
Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel.
(2. Korintherbrief 5,1)
Michael Rahn, Pfarrer
