Seid nicht wie Rosse und Maultiere, die ohne Verstand sind, denen man Zaum und Gebiss anlegen muss; sie werden sonst nicht zu dir kommen. (Psalm 32,9)
Eigentlich widerlege ich die Bibel nur ungern aber vielleicht ist es auch nur ein kompetenter Einblick in eine Fehleinschätzung des Psalmdichters. Denn sind Rosse wirklich ohne Verstand? Muss man ihnen wirklich Zaum und Gebiss anlegen? Kommen sie sonst wirklich nicht zu einem?
Pferde sind von Natur aus neugierig: früher oder später kommen sie auf den Menschen zu, und wenn sie nicht enttäuscht werden, dann bleiben sie auch. Sie sind ausserordentlich kooperationsbereit und lassen sich gerne führen, wenn sie spüren, dass ihr Gegenüber zuverlässig und in jeder Lebenslage Sicherheit gibt. Dann folgen sie gerne, denn es rettet ihr Leben.
Ein Beispiel dieser Bereitschaft zur Kooperation und Zuwendung zum – in dem Fall kleinen – Menschen durfte ich neulich am Projekttag der Primarschule Kallern erleben: während zweieinhalb Stunden konzentrierte sich mein Pferd Casandra auf die 45 Kindergartenkinder und Primarschüler und trug sie durch einen Töggelislalom bzw. liess sich von ihnen durch diesen führen – nur mit einem Halfter – ohne Zwang durch «Zaum und Gebiss».
Bettina Lukoschus, Pfarrerin
