Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben. (1.Mose 2, 16-17)
In der biblischen Erzählung ist es klar: es geht nicht darum, wie viel die Menschen von diesem Baum essen, sondern darum, ob sie Gottes Gebot überschreiten. Aber dennoch begann ich neulich über das «vom» in «vom Baum der Erkenntnis essen» nachzudenken.
Könnte es sein, dass die Menschen eben auch nur «von» der Erkenntnis von Gut und Böse haben, also nur einen Teil der Erkenntnis? Und dass sie diesen Teil für das Ganze halten, und meinen, sie wüssten alles über Gut und Böse? Und dass sie darum die Menschen, die einen anderen Teil erkannt haben, bekämpfen? Denn der Streit darum, was gut ist, wie man leben und handeln soll, führt immer wieder zu Kämpfen, Anschlägen und zu Kriegen.
Ist das Problem also, dass wir die Grenzen unserer Erkenntnis nicht sehen und akzeptieren können?
Ewiger Gott,
oft meinen wir, zu wissen, was für uns und für andere gut ist.
Lass uns unsere Grenzen erkennen.
Und hilf uns, gemeinsam nach der Wahrheit und nach guten Lösungen zu suchen.
Brigitta Josef, Pfarrerin
