So spricht Gott, der Herr, Siehe, nun gehe ich gegen die Hirten vor und fordere meine Schafe aus ihrer Hand zurück. Ich mache dem Weiden der Schafe ein Ende. Die Hirten sollen nicht länger sich selbst weiden: Ich rette meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen nicht länger ihr Frass sein. (Ezechiel 34,10)
Dieser Vers stammt nicht aus der Landwirtschaft, sondern aus der Politik. Der Profet Ezechiel klagt im Namen Gottes die Politiker seines Volkes an, die statt für das Volk für sich selber schauen. Er wendet sich insbesondere dagegen, dass die Politiker nichts dagegen unternehmen, dass «magere Schafe» unter die Räder kommen und von den «fetten Schafen» verdrängt werden. Wohl, weil die Hirten und die fetten Schafe sich bestens kennen, aus den gleichen Familien stammen und sich gegenseitig begünstigen. Ein Übel, das wohl so alt ist, wie es staatliche Gebilde auf dieser Welt gibt.
Aus gutem Grund hat man in den westlichen Staaten verschiedene Sicherungen eingebaut gegen allzu gefrässige Hirten. Man wollte sich diesbezüglich nicht einfach auf Gott verlassen. Zu Recht. Wenn man Gott um Hilfe ruft, sollte man selber das einem Mögliche tun, um die Situation zu verbessern. Wenn ich in unsere Welt schaue, dann scheint mir der Kampf gegen gefrässige Hirten in diesen Tagen nötiger denn je.
Ewiger Gott
Öffne mir die Augen
für meine Mitmenschen,
ganz besonders für die schwachen unter ihnen.
Amen.
Michael Rahn, Pfarrer
